Warum Erste Hilfe im Sicherheitsdienst besonders wichtig ist
Sicherheitskräfte sind häufig die ersten Menschen am Ort eines Notfalls – bevor Rettungsdienst oder Feuerwehr eintreffen. Ob Kreislaufstillstand, schwere Verletzung oder Ohnmacht: In der Reanimationsforschung gilt als Faustregel, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute ohne Wiederbelebung deutlich sinkt. Mit fundierter Erste-Hilfe-Ausbildung können Sicherheitsmitarbeiter buchstäblich Leben retten.
Die gesetzlichen Anforderungen
§ 26 der DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention) schreibt vor, dass Unternehmen eine ausreichende Zahl von Ersthelfern sicherstellen müssen:
- Bei 2 bis 20 anwesenden Versicherten: mindestens 1 Ersthelfer
- Bei mehr als 20 anwesenden Versicherten: 5 % in Verwaltungs- und Handelsbetrieben, 10 % in sonstigen Betrieben
- Die Fortbildung ist alle zwei Jahre zu wiederholen, sonst erlischt der Status
Der Lehrgang muss bei einer von der Berufsgenossenschaft ermächtigten Ausbildungsstelle absolviert werden und enthält einen Praxisteil – online allein ist der Ersthelfer-Status nicht zu erwerben. Darüber hinaus ist Erste Hilfe Gegenstand der §34a-Sachkundeprüfung.
Die Überlebenskette: Was wirklich zählt
Die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) beschreiben die Überlebenskette bei Herzstillstand. Jedes Glied ist entscheidend:
1. Frühe Erkennung und Notruf (112)
Erkennen Sie Bewusstlosigkeit und das Fehlen normaler Atmung sofort. Rufen Sie 112 an – oder lassen Sie rufen, während Sie mit der Reanimation beginnen. Halten Sie folgende Informationen bereit: Ort, Art des Notfalls, Anzahl der Betroffenen, eigene Rückrufnummer.
2. Frühzeitige Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW)
Beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage: Handballen auf die Mitte des Brustkorbs, Arme gestreckt, 30 Kompressionen (100–120 pro Minute), dann 2 Beatmungen. Wenn Beatmung nicht möglich oder nicht zumutbar ist: Die alleinige Herzdruckmassage ist ebenfalls wirksam. Hören Sie nicht auf, bis der Rettungsdienst übernimmt oder ein AED einsatzbereit ist.
3. Frühzeitige Defibrillation (AED)
In vielen Einkaufszentren, Bahnhöfen, Flughäfen und bei größeren Veranstaltungen hängt ein AED (Automatisierter Externer Defibrillator). Sicherheitskräfte sollten für ihr Objekt wissen, wo der nächste AED hängt und wie er bedient wird – das Gerät führt akustisch durch jeden Schritt, medizinisches Vorwissen ist nicht nötig.
4. Erweiterte Maßnahmen durch den Rettungsdienst
Hier übernehmen die Profis. Ihre Aufgabe: den Rettungsdienst einweisen, Informationen zum Verlauf weitergeben und den Bereich sichern.
Weitere häufige Notfallsituationen im Sicherheitsdienst
Ohnmacht und Kreislaufkollaps
Stabile Seitenlage, Atemwege freihalten, Notruf absetzen. Keine Flüssigkeit geben, bis die Person vollständig ansprechbar ist.
Starke Blutungen
Wunden mit Druck versorgen – möglichst mit Einmalhandschuhen. Bei Extremitätenverletzungen: Druckverband anlegen. Ein Tourniquet (Abbindesystem) ist nach den aktuellen Leitlinien bei lebensbedrohlicher Blutung angezeigt, wenn der direkte Druck nicht ausreicht.
Schockzustand
Person hinlegen, Beine leicht erhöhen (Schocklagerung), Körper warm halten, beruhigen und Notruf absetzen. Bei Bewusstlosigkeit: keine Schocklagerung, stattdessen stabile Seitenlage.
Unterzuckerung bei Diabetikern
Wenn die Person noch ansprechbar ist: zuckerhaltiges Getränk oder Traubenzucker geben. Bei Bewusstlosigkeit: Notruf – keine Getränke eingeben.
Regelmäßiges Training ist der Schlüssel
Praktische Fertigkeiten lassen ohne Auffrischung schnell nach – das ist der Grund für die gesetzliche Zwei-Jahres-Frist. Nutzen Sie jede Möglichkeit zur Übung:
- Innerbetriebliche Erste-Hilfe-Übungen mindestens jährlich
- Fortbildung bei einer ermächtigten Stelle alle zwei Jahre
- Mental durchspielen: Was würde ich jetzt tun, wenn hier jemand zusammenbricht?
Fazit
Erste Hilfe ist keine Zusatzkompetenz im Sicherheitsdienst – sie ist eine Kernkompetenz. Der SecWeit-Kurs „Erste Hilfe im Sicherheitsdienst“ vermittelt das notwendige Wissen und die Handlungsabläufe. Den praktischen Lehrgang bei einer ermächtigten Stelle ersetzt er nicht – er bereitet darauf vor und hält das Wissen zwischen den Auffrischungen wach.



